Vom Trockenfutter zum Barfen

Es muss immer erst was passieren … .

Es war der kurze aber heftige Leidensweg unseres Katers und das schlechte Fressverhalten einer unserer jungen Hündinnen, die uns anstießen, unser Fütterungsverhalten kritisch zu hinterfragen, uns über alternative Methoden zur mittlerweile „klassischen“ Trockenfütterung zu informieren und schließlich die Fütterung unserer Tiere komplett umzustellen. So kamen wir zum Barfen (BARF = Biologisch Artgerechtes Rohes Futter oder Bones And Raw Food).

 

 

Hier nun der Erfahrungsbericht einer – aus unserer Sicht – wahren Erfolgsstory.

 

Die Vorgeschichte

Die Tiere, die bei und mit uns lebten, wurden mit Trockenfutter gefüttert. Selbstverständlich mit Premiumsorten, es sollte den treuen Vierbeinern schließlich an nichts fehlen. Der Kater bekam ein Trockenfutter, dass extra für seine Bedürfnisse als Hauskatze produziert wurde und die Hunde bekamen ebenfalls etwas Feines aus dem oberen Preissegment. Schließlich will man sich ja nicht vorwerfen lassen, dass man am Futter der Tiere zu sparen versucht. Auch hier gibt es Futtersorten, die bestimmten Bedürfnissen der Hunde und sogar bestimmten Rassen besonders auf den Leib zugeschnitten werden. Um sicher zu gehen holt man sich zusätzlich noch den Segen des Tierarztes, dass die Futterwahl bestens ist: alles richtig gemacht und los kann es gehen!

 

Doch das Blatt wendete sich. Unser Kater wurde todkrank. Es begann eine Odysee mit Spezialtrockenfutter vom Tierarzt, Behandlungen ohne Absprache, Tierarztwechsel usw., aber Wut und Trauer weckten nach einiger Zeit die Neugier, sich ein eigenes Bild über den Verlauf der Erkrankung und eine mögiche Vermeidung zu machen. Die große Überraschung war, dass die Erkrankung mit der Gabe von Trockenfutter in Zusammenhang stehen konnte. 

 

Der Sinneswandel

Schon vorher hatten wir bei Gesprächen mit anderen Hundebesitzern gehört, dass viele ihr Futter wechseln mussten, weil die Tiere das Futter irgendwann nicht mehr fressen wollten. Auch wir hatten so einen Fall zu Hause. Ein paar Monate ging es mit einem Futter gut, dann plötzlich wurde der Hund mäkelig. Es wurde nicht aufgefressen oder die Futterschüssel wurde gar nicht angerührt. Trotzdem wirkte der Hund sehr dick, wie aufgeschwemmt. Von kurzen, aber heftigen Wachstumsproblemen in Form von Knochenhautentzündung blieben wir auch nicht verschont. Wobei wir noch Glück hatten, da wir von anderen Hundebesitzern mit großen Hunderassen immer wieder (natürlich mit vorgehaltener Hand)hörten, dass ihre Hunde größte Schwierigkeiten im Wachtum hatten. Wir haben alles ausprobiert, aber es wurde nicht wirklich besser. Hat man die Futtersorte/Marke gewechselt, dann ging es wieder eine zeitlang. Aber wir hatten immer ein ungutes Gefühl beim Füttern. Krank war der Hund zwar nicht, selbst ein Allergietest wurde gemacht: ohne Befund. Ältere Hundebesitzer und Züchter berichteten am Rande immer wieder, dass die Hunde früher mit Fleisch gefüttert wurden und damals nicht so viele Krankheiten aufwiesen wie heutzutage.

Der Verlust des einen Tieres und das untypische Fressverhalten des anderen führten dazu, dass man gezielt nach Alternativen  Ausschau hielt. Schnell stießen wir bei unserer oberflächlichen Internetrecherche auf das immer wiederkehrende BARF. Was ist das??? Zugegeben: die ersten Seiten, die wir uns anschauten waren überwiegend Foreneinträge, auf denen die unterschiedlichen Ideologien in epischer Breite gegeneinander ausdiskutiert wurden. Neben Tabellen, Prozentzahlen, Zutatenlisten, Beleidigungen, Fürsprache und Unverständnis erfuhren wir, dass es irgendwie um das Füttern von Fleisch und Knochen ging. Aber es musste alles in bestimmten Verhältnissen gegeben werden usw. Eine kurze Einführung, die uns die „Kunst“ des BARFens in allgemein verständlicher Weise erklärt, ohne neue Unsicherheit zu schaffen fehlte uns zu Anfang. Jedoch beschäftigten wir uns immer mehr mit den Herstellungsverfahren und Inhaltsstoffen von Trockenfutter. Unser Fazit war (die Liste ließe sich über die Maßen fortsetzen):

  1. Der Getreideanteil in Trockenfutter ist viel zu hoch. Der Hund ist aber ein Fleischfresser und sein Verdauungsapparat ist für die Verwertung von Getreide nicht ausgelegt. Daraus können Allergien, Unverträglichkeiten und auch Bauchspeicheldrüsenprobleme resultieren.
  2. Der angegebene Tieranteil im Trockenfutter besteht größtenteils aus für den Körper wertlosen bis minderwertigen Teilen (Hufen, Klauen, Schnäbel und Federn). Was steckt hinter den Angaben auf der Verpackung?
  3. Der geringe Fleischanteil im Trockenfütter wird ultrahocherhitzt und ist somit sowieso für den Organismus eines Fleischfressers wertlos.
  4. Wieder zugefügte künstliche Mineralstoffe und Vitamine sind für den Körper teilweise nicht verwertbar.
  5. Durch den Getreideanteil ist zu viel Power (Zucker) im Futter, so dass der junge Hund viel zu schnell wächst. Gerade bei großen und knochenstarken Rassen liegt daher die Vermutung nahe, dass hierdurch Knochen unterschiedlich schnell wachsen und die Knochenhaut einreißen kann, was zeitweise zu schrecklich schmerzhaften Entzündungen der Knochenhaut führen kann.

 

Bei diesen Erkenntnissen waren wir verblüfft, was ein tierischer Organismus alles aushält. Aber es machte uns auch klar, dass die einfache und moderne Fütterung, die uns die Tierfutterindustrie ‚glücklicherweise‘ beschert hat vielleicht mit dafür verantwortlich ist, dass unsere Haustiere heute auch unter typischen Zivilisationskrankheiten leiden, von der Allergie bis hin zum Krebs.

Dann stießen wir auf eine Seite, die unsere Sicht auf das Füttern von Grund auf verändert hat, den Internetauftritt von Frau Swanie Simon (www.barfers.de), ehemals Züchterin des Zwingers für Deutsche Schäferhunde „drei Hunde Nacht“. Hier fanden wir die Antworten auf unsere Fragen, hier wurden die Ängste, man könne etwas grob falsch machen bei der Rohfütterung, zerschlagen. Des Weiteren fanden wir dort auch die ersten Adressen von Fleischlieferanten und Läden, die sich auf artgerechtes Füttern spezialisiert haben.

 

Frau Simon schrieb in einer sehr verständlichen, sachlichen Weise über die Vorzüge des BARFens. Sofort haben wir ihre Broschüre „BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Die artgerechte Ernährung des Hundes mit BARF. Mit Tabellen, Futterplänen Literatur- und Linktipps“ bestellt, für den unglaublichen Preis von 5,- (!!!) EUR. In diesem schmalen Heftchen stand so viel Interessantes und Logisches, dass wir uns entschlossen, diese Art des Fütterns auszuprobieren. Zumal wir bereits geplant hatten, in Zukunft selbst mit der Schäferhundzucht zu beginnen. Auch fanden wir sehr schnell ein ausreichendes Angebot an Bezugsquellen in unserer unmittelbaren Umgebung für das BARFen. Es blieb nur Abzuwarten, ob die Umstellung auf BARF funktionieren würde. Um es kurz zu machen: Es war ein Kinderspiel.

 

Der Anfang

Wenn nur das Ein oder Andere von den vorhergesagten Verbesserungen eingetreten wäre, wären wir zufrieden gewesen. Aber es kam noch besser: der Hund fraß wie noch nie zuvor. Und zwar mit einer Begeisterung, die man selten so erlebt hat. Von Woche zu Woche verbesserte sich das Fell (obwohl wir mit dem Fell immer zufrieden waren), es wurde samtweich. Der strenge Hundegeruch verschwand, der Mundgeruch verbesserte sich, Zahnstein ist seitdem kein Thema mehr, der Hund hat subjektiv gesehen mehr Energie und die Hunde sind seitdem frei von Parasiten ohne eine chemische Keule gegen innere und äußere Parasiten einzusetzen. Es gibt zwar keine Garantie, dass die Hunde bei Rohfütterung frei von Parasiten bleiben, aber wir lassen sie regelmäßig beim Tierarzt untersuchen und bisher sind alle Tests negativ gewesen. Das erspart dem Hund die überflüssige chemische Behandlung, die die Darmflora angreift und anschließend wieder aufgebaut werden muss. Wichtig ist aber darauf hinzuweisen: Rohfütterung erspart nicht den Tierarzt!

Die anfängliche Angst Fehler zu machen wich nach kurzer Zeit und es folgte ein gutes Gefühl es richtig zu machen. Selbst die geschürte Furcht vor der Knochenfütterung wurde zerschlagen, wenn man sich an gewisse Vorgaben hält. Alleine schon wegen ihrer Zahn pflegenden Wirkung sind sie unverzichtbar. Wie oben gesagt, man kann gar nicht so viel falsch machen, wie man befürchtet, aber man sollte sich besonders für die erste Zeit einen Futterplan erstellen, um auf Nummer sicher zu gehen. Hier das Beispiel eines Futterplans für einen fünfjährigen, kräftigen Rüden (Futtermenge: 3% des Körpergewichts):

 

Gewicht:

43

kg

pro

Tag

pro

Woche

   
     

1,3

kg

9,03

kg

   

Gemüse/Obst

 

0,258

kg

1,8

kg

20% der Gesamtfuttermenge

Muskelfleisch

 

0,516

kg

3,6

kg

50% des Fleischanteils

Pansen/Blättermagen

 

0,206

kg

1,4

kg

20% des Fleischanteils

Innereien

 

 

0,155

kg

1,1

kg

15% des Fleischanteils

RFK (rohe fleischige Knochen)

0,155

kg

1,1

kg

15% des Fleischanteils

 

 

Nahrungsergänzungsmittel sollten dem Futter nach Bedarf beigefügt werden. Regelmäßig fügen wir dem Fütter Omega-3-6-9-Öl (für die Verwertung von Gemüse und Obst), sowie Vitamin C in Form von Hagebuttenschalenpulver (für den Knochenaufbau) bei.

 

Der erste Wurf (A-Wurf)

Auch unsere Welpen sollten von Beginn an mit BARF ins Leben starten. Unsere Fine wurde während der Trächtigkeit ganz normal weitergefüttert. Lediglich den Knochenanteil gab es nicht mehr am Stück, sondern in gewolfter Form, damit es nicht zu Verstopfungen während der Trächtigkeit kommt.

Als die Welpen in die Entwöhnungsphase kamen fingen wir mit einem selbst zubereiteten Welpenbrei an, den wir Schritt für Schritt verfeinerten. Später kam die erste Fleischbrockenfütterung hinzu. Ein Riesenspaß war es, als wir ein sehr großes Stück Rind für die Kleinen platzierten und alle acht Welpen sich auf das Fleisch stürzten (siehe Video „das große Fressen“). Im Übrigen waren die Welpen, zur großen Überraschung des Tierarztes, während der gesamten Zeit bei uns frei von Parasiten (es wurden jede Woche Kotproben von den Welpen und der Mutterhündin untersucht).

Uns war vollkommen bewusst, dass nicht alle neuen Welpenbesitzer unsere Art der Fütterung weiterführen können. Aber von drei Welpen wissen wir, dass sie bis zum heutigen Tag gebarft werden. Sie haben bis jetzt keinerlei Mangelerscheinungen, Wachstumsstörungen oder Sonstiges, was mit dem Füttern zu tun hat,  gehabt.

 

 

das große Fressen
das große Fressen
das große Fressen

 

Für die Welpenkäufer, die ihre Welpen nicht barfen können/wollen empfehlen wir als Alternative zum herkömmlichen Trockenfutter, kaltgepresstes Hundefutter der Firma Naturavetal. Dieses verwenden wir auch, wenn die Versorgung unserer Hunde mit Frischfleisch nicht gewährleistet werden kann (auf Reisen, im Urlaub).

Fazit

Heute möchten wir BARF nicht mehr missen. Alle unsere Hunde werden weiterhin auf diese Art gefüttert, selbstverständlich auch die Welpen der zukünftigen Würfe. Wir hoffen, dass wir noch weitere Hundebesitzer von dieser Art der Fütterung überzeugen können.

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